Kultuvision

Musik und Texte zur Passion Musikalische Lesung in Holzkirchen

17.03.2018 | Ein Beitrag von Monika Ziegler

Blick in die Segenskirche. Foto: Elisabeth Neuhierl

Gefühlvolle Musikstücke, moderne Geschichten zum Nachdenken sowie Texte und Verse aus der Bibel boten den Besuchern in der gut besetzten evangelischen Segenskirche in Holzkirchen die Möglichkeit, sich während der Fastenzeit intensiv auf das Thema „Passion“ einzulassen.

Harfe und Hackbrett als Symbiose

Die Otterfingerin Lisa Schöttl am Hackbrett gestaltete gemeinsam mit der aus Schaftlach stammenden Harfinistin Christine Horter das Rahmenprogramm der Lesung. Virtuos gespielte, fast himmlische Töne entlockten die beiden Künstlerinnen ihren Instrumenten. Neben traditioneller irischer und osteuropäischer Musik erklang mit der Improvisation einer Arie von Giulio Caccini (1550-1618) und dem Largo aus der Sonate in G-Dur von Melchior Chiesa (1740-1799) feinste barocke Instrumentalmusik. Als herausragend erwies sich die Interpretation mit Tenorflöte und Harfe der berühmten Arie „Ombra mai fu“ aus Georg Friedrich Händels Oper Xerxes von 1738. Innige und tiefe Ergriffenheit im Publikum.

 

Lisa Schöttl und Christine Horter. Foto: Elisabeth Neuhierl

Von Thomas Mann bis Martin Luther King

Monika Heppt trug einen kurzen Text von Thomas Mann vor. Der Schriftsteller wurde einmal gefragt, woran er glaube und was er am höchsten stelle. Seine Antwort gab er, der Meister der seitenlangen Sätze und ausschweifenden Erklärungen, äußerst knapp und eindeutig. Es sind „Die Vergänglichkeit und die Zeit“. „Die Vergänglichkeit ist die Seele des Seins, ist das, was allem Leben Wert und Würde verleiht, denn sie schafft Zeit. Und Zeit ist die höchste, nutzbarste Gabe…..in ihrem Wesen verwandt, ja identisch mit allem Schöpferischen und Tätigen…“

Eine Geschichte zum ersten Passionssonntag, genannt „Invokavit“ (= „Er hat gerufen“) führte das Problem vieler moderner Menschen vor Augen: nicht mehr beten zu können. Kindergebete funktionieren nicht mehr. Das Vaterunser will erst wieder gelernt werden. Warum also nicht „joggen und beten“ miteinander verbinden?

Einfühlsam, beeindruckend, an die Leidensfähigkeit, die Passion gehend, war der Text von Dietrich Bonhoeffer, dem großen evangelischen Theologen. Seine Frage „Wer bin ich?“ stieß ans Existentielle, an das Leben und Sterben jedes Einzelnen. Atemlose Stille im Raum.

 

Monika Heppt und Hans-Wolfgang Nerb. Foto: Elisabeth Neuhierl

Mit dem Text „Verurteilt“ von Martin Luther King setzte Hans-Wolfgang Nerb ein besonderes Zeichen. Nicht die Verurteilung durch die weltliche Macht steht im Vordergrund. Nein, es ist der Stolz auf das „besondere Verbrechen“, dessen sich King schuldig gemacht hat. Gewaltloser Protest gegen Ungerechtigkeit, Freiheit und das Streben nach Glück. „Vor allem war mein Verbrechen, dass ich mein Volk davon zu überzeugen suchte, dass die Nichtbeteiligung am Bösen ebenso eine moralische Pflicht ist wie die Beteiligung am Guten“. Ein wirklich beeindruckender Text.

Märchen helfen zu verstehen

Eine Segensgeschichte von Susanne Niemeyer wurde von Monika Heppt gelesen. „Spiegelmoment“ ist ein modernes Märchen. Es erzählt vom Hier und Heute, von einer Frau auf der Suche nach Gott und dem wahren Leben. Es berichtet von Geboten und Verboten, von Verunsicherung, Hoffnung und Wünschen und von Gott, der sie besucht am Aschermittwoch. Der ihr den Spiegel ihres Lebens vorhält, so dass sie sich selbst erkennen kann. „Plötzlich dachte ich: Kann es sein, dass es das ist, was er will? Mein Wohl? Das und nichts anderes?“ Da umfing sie nichts als Wärme.

 

Die vier Mitwirkenden in der Segenskirche. Foto: Elisabeth Neuhierl

Eindrücklich gestaltete Nerb das russische Märchen „Wie der Dieb ins Himmelreich gelangte“. Gespanntes Zuhören, aber auch durchaus gelöste, fast heitere Reaktionen im Publikum, als klar wurde, wie es der Dieb ins Himmelreich schaffte: nämlich mit einer Art Erpressung des Evangelisten Johannes. „Wenn du mich nicht auf der Stelle ins Himmelreich einlässt…., sage ich den Menschen auf der Erde, dass ihr im Evangelium die Unwahrheit geschrieben habt.“

Nach dem Psalm „Der Herr ist mein Hirte“ dankten Christiane Brunner und Joseph Brunnhuber vom Arbeitskreis Ökumene den Mitwirkenden und schafften es, die beiden phänomenalen Musikerinnen zu einer wunderbaren Zugabe zu überreden. Dabei versprachen sie, das Format einer musikalischen Lesung in der Fastenzeit auch in den folgenden Jahren weiterführen.


Holzkirchner Zeitung am 09.01.2018

Adventskonzert in Waakirchen

 

Was passiert, wenn das Ensemble „Vielsaitig“ in der Weihnachtszeit auf zwei Nachtigallenstimmen trifft? Richtig, es gibt ein stimmungsvolles, unvergessliches Adventskonzert. Und Stücke aus der ganzen Welt – Von A wie ABBA bis T wie Tango.

 

Einen musikalischen Hochgenuss erleben am Freitag Abend in Waakirchen etwa 170 Gäste in der Aula der Waakirchener Grundschule. Noch nie zuvor war ein Konzert der Waakirchener Kleinkunstbühne in diesem Raum derart gut besucht gewesen.

Hugo Eder war sichtlich bewegt, als er den Abend einleitete. Viele der Gäste waren Wiederholungstäter. Es hatte sich herum gesprochen, das außergewöhnliche Konzert vor zwei Jahren.

 

Schon das einleitende Stück versetzte das Publikum in stimmungsvolle Weihnacht. Mit Kerzen, Geige, Flöte und ihren Nachtigallenstimmen liefen die fünf Musikerinnen und Sängerinnen in den Saal ein, um sich auf der Bühne einzufinden.

 

Ein Konzert ohne elektronische Verstärkung, dafür umso näher, authentischer und stimmungsvoller. „Vielsaitig“ sind sie, mit a und auch mit e.

 

Christine Horter belebt das Ensemble mit ihrem virtuosen Harfenspiel. Sie bringt mit den tiefen Basssaiten das Fundament in die Stücke und steuert die Harmonien bei, um die sich Geige, Hackbrett und die Stimmen ranken.

Lisa Schöttl variiert vielseitig zwischen Hackbrett, unterschiedlichen Flöten und Gesang. Und Larisa Christina Bacher bringt mit Geige und Gesang ihr lateinamerikanisch-bayerisches Temperament in die Formation. Ihre virtuose Gegenbegleitung munterte die Stücke lautmalerisch auf. Für die wenigsten war eine Geigenstimme ursprünglich vorgesehen.

 

Die gemeinsame, große Spielfreude ist offensichtlich. Und das Zusammenwirken mit den beiden Nachtigallen Bärbel Pischetsrieder und Uschi Bommer ein Glücksfall und Genuss. Die beiden Freundinnen sind seit vielen Jahren gemeinsam in unterschiedlichen Ensembles unterwegs. Dass Sie bei einer Opernsängerin in Kolbermoor ihre Gesangeskunst stetig vertiefen,ist nicht zu überhören.

 

Festlich, besinnlich, fröhlich und leidenschaftlich bereisten die fünf Musikerinnen und Sängerinnen mit ihrem Publikum die Welt auf der Suche nach der Weihnacht. In Russland bringt etwa Väterchen Frost die Geschenke. Musikalisch ging die Reise durch verschneite Winterwälder, durch die melancholische und auch leidenschaftliche Seele Russlands.

Gekonnt vermischten sie das russische „Kalinka“ mit dem deutschen Weihnachtslied „Macht hoch die Tür“.

 

Bairisch gings weiter – in der Transsibirischen Eisenbahn. Der große Charme des Konzertes lag nicht nur in der Virtuosität, Spiel- und Gesangesfreude der Damen. Auch ihre Moderation der Stücke und das gegenseitige Vorstellen der Musikerkolleginnen war eine große Freude fürs Publikum. Professionelles vermischte sich mit Privatem und das Ganze im Potpourri der internationalen Weihnacht. Von Russland ging es weiter nach Frankreich mit

einem zauberhaften Weihnachtssternduett Bärbel Pischetsrieder und Uschi Bommers, französischen Instrumentalmelodien und besinnlichen Liedern.

Von Frankreich führte die Reise nach Italien zur italienischen Weihnacht mit Panetone und verschiedenen Stücken für Hackbrett, Harfe, Flöte und Gesang.

 

 

Leidenschaftliche Weihnacht in Südamerika

Dass jeder das Ensemble auf seine Art die Musik bereichert war noch einmal sehr deutlich, als sich die Weihnachtsreise in Richtung Südamerika bewegte. Dort, erzählte Larisa Bacher, feiere man eine leidenschaftliche Weihnacht am Strand. Und ebenso leidenschaftlich wurden die Stücke auf der Bühne, inklusive Tangomusik.

 

Gänsehaut bei „GabrielasLied“

In Schweden angekommen, wurde das Konzert schließlich fröhlich mit musikalischer Wichtelweihnacht und tipp-tapenden kleinen Gesellen unterm Weihnachtsbaum. Einer der bewegendsten Momente des Konzertes war „Gabrielas Lied“. Mit engelsgleicher Stimme sang Uschi Brommer das Lied von Freiheit und Selbstbestimmung aus dem berührenden Film „Wie im Himmel“. Viel Spass hatten die Sängerinnen und Musikerinnen auch, indem

sie den ABBA-Song „I have a dream“ gekonnt auf weihnachtliche Stimmung trimmten.

 

Aber, so war schlussendlich das Fazit: Dahoam ist Weihnachten doch am schönsten, mit Weihnachtsbaum und Schnee und selbstgebackenen

Plätzchen. Es war ein bezauberndes, mitreißendes und besinnliches Konzert, von dem noch manche der Gäste schwärmen werden. „Man muss gar

nicht weit fahren, um etwas so Großartiges zu erleben“, sagten die Besucher beim Hinausgehen. Nicht ohne zuvor noch mehrere Zugaben von Vielsaitig und den Nachtigallen erklatscht zu haben. Ja, so schön wars. Und jetzt kann Weihnachten langsam kommen.

 

www.kulturvision.de   17.12.2017 Beitrag und Bilder von Ines Wagner


Holzkirchner Merkur 19.04.2017

Miesbacher Merkur 06.12.2016

Miesbacher Merkur 16.12.2015

 

 

 

Im verschneiten Sachrang

 

Überschrieben mit „In einer kalten Winternacht...“ passte der Titel ausgezeichnet allein schon vom Äußeren her zum leicht verschneiten Sachrang, Die „Ankunft der Königin von Saba“ in B-Dur von G.F.

als in der Pfarrkirche St. Michael adventliche Klänge unter der Leitung von Margit-Anna Süß (Harfe) und Hansjörg Schellenberger (Oboe) erklangen. Zwei Alphörner stimmten auf das Kommende ein, dann wehten Oboentöne aus der Sakristei, gefolgt von einem Duo für Harfe und Oboe, das über die Melodie „In einer kalten Winternacht“ improvisierte. Hatte Schellenberger schon bei der Begrüßung erwähnt, dass das Konzert einen Kontrapunkt zu unserer kriegerisch-lauten, hektischen Zeit setzen wolle, so war dieses Konzert fürwahr ein leises, stilles Konzert, ein Konzert, das zum Meditieren anregte und das das Publikum ob der Stille und des lautlosen Ausklangs verblüffte und stumm wieder in die kalte Winternacht entließ. Da passte Sprecher Peter Weiß gut hinein, der eindrucksvoll über die Sehnsucht, die in einer kalten Winternacht aufgewacht ist, sprach.

Händel aus dem Oratorium „Salomon“ – hier von den zwei Harfen wunderbar angepriesen – setzte das Stuttgarter Hornquartett um Maximilian Schellenberger mit „Christus factus est“ von Anton Bruckner in g-Moll fort. In G-Dur ging es mit Arcangelo Corellis barockem Stück „Chiesa“ weiter. Das Saitentrio Vielsaitig mit Lisa Schöttl (Hackbrett), Christine Horter (Harfe) und Patrick Hollnberger am Kontrabass zeigte sich fantastisch im Zusammenspiel.

 

Immer feinsinnig zwischen den Tonarten und zwischen Dur und Moll abwechselnd, war das Programm eine perfekte Einstimmung auf die „stade Zeit“. Zur Besinnung und Erinnerung an den ruhigen Geist der Adventszeit trugen auch die meditativen Texte bei, die Peter Weiß zwischen den alpenländischen und klassischen Werken vorgetrug. Diese handelten vom Kirchenjahr und deuteten den Anfang der Schöpfung: „Es werde Licht!“ Mit Angelus Silesius‘ geistlichem Gedicht „Morgenstern der finstern Nacht“ erleuchtete gleichsam das barocke Kirchenschiff. Die Vollkommenheit im Zusammenspiel, die sich auch mit den ausgewählten Musikstücken widerspiegelte, war einem Adventskonzert mehr als würdig. Das Stuttgarter Hornquartett blies bekannte Melodien wie das „Macht hoch die Tür“ in Es-Dur wie auch die Bachsche Kantate „Jesu meine Freude“ in C-Dur. Das Ensemble Vielsaitig spielte sich mit dem Marienmenuett in C-Dur und dem „King of fairies“ in e-Moll in die Herzen des Publikums. Hansjörg Schellenbergers Oboe ließ zusammen mit der Harfe, wunderbar gespielt von Margit-Anna Süß und grandios begleitet von Patrick Hollnberger am Kontrabass, die Zuhörer bei der „Suite espagnole“ in d-Moll von Marin Marais meditativ bei den langsamen Sätzen eintauchen. Das wortreiche und doch zum Nachdenken animierende „Schweizer Gebet über das Hohelied der Liebe“ von Jeremias Gotthelf markierte dann den Höhepunkt, ehe das Adventskonzert im Rückwärtsgang wieder mit Harfe und Oboe, die aus der nahen und doch so fernen Sakristei verzauberte, ausklang. Zwei Alphörner bliesen noch zum Abschied. Ein wunderbares und wundersames Adventskonzert, das beinahe unheimlich ohne Applaus ausklang. Gerne hätte man den Künstlern Anerkennung und Lob für die bravouröse Leistung gezollt, aber passend zur Überschrift „Advent in der Stille“ war die Stille gewünscht – ein gelungen besinnlicher Einstieg in den Advent.

 

OVB Online 03.12.2015

http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/verschneiten-sachrang-5924039.html

 

 

 


Holzkirchner Merkur 04.11.2015